Donnerstag, 10. Juni 2010
Bei einem guten Frühstück erzählt uns der alte Herr des Hauses Einiges über die unvollendete Bahnstrecke oben am Berg, über die Kilometer langen Tunnel und über die Zuflucht der Bewohner in diese nach der Bombardierung der Stadt im Winter 1945. Wir sollten nur mal schauen, wir kämen ja auf dem Rotweinweg da oben lang.
Es setzt Regen ein, kaum dass wir das Hotel verlassen haben. Das ist blöd – ein Stückchen eher, und wir hätten Anorak und Rucksack-Überzug noch in Ruhe anlegen können.
Der Hinweis, wie es hoch zum Rotweinwanderweg geht, ist deutlich genug. Im Regengrau bleibt die hübsche Stadt Ahrweiler hinter uns zurück.
Trotz dieser guten Markierung stellen wir weit oben am Wald fest, dass wir falsch gegangen sind. Wir hätten unten am ehemaligen Regierungsbunker abbiegen müssen. Nun, so holen wir etwas Weg hinzu – schließlich laufen wir uns ja immer besser ein, den Rucksack merken wir schon kaum noch.
Wir genießen den sehr schönen Blick auf die Stadt und das Kloster Kalvarienberg von hier oben. Die tief hängenden Wolken im Tal geben der Landschaft einen eigenartigen Reiz. Sie sind fast auf die Höhe von Hotel Hohenzollern herab gesunken.
Wenn wir es genau nehmen, sind wir eigentlich nur heute so richtig auf dem Original-Rotweinwanderweg unterwegs. Die Hanglagen der Reben werden immer steiler.
Sonne kommt jetzt heraus, aber das Laufen macht weiterhin großen Spaß.
Bei der mit Grün bewachsenen Ruine der ehemaligen Klosterkirche
Marienthal geht es ja noch mit der Neigung der Weinberge. Aber an der “Bunten Kuh”, bei Dernau, Rech und Mayschoß muss man wohl alpinistische Fähigkeiten haben, um in einigen der dortigen Steillagen Weinbau zu betreiben.
Kein Wunder, dass der hier geerntete Rotwein seinen Preis hat.
Der Ort Mayschoß ist allein schon von der Lage her wunderschön – und wenn man dann noch liest, dass hier bei 1.000 Einwohnern im Jahr 750.000 Liter Wein erzeugt werden, bekommt man das Grübeln.
Der berühmte “Arbeiter im Weinberg” – hier ist er Realität. Welcher Fleiß steckt drinnen in dem beliebten Getränk, wie viel Schweiß, wenn bei Sonne am Hang gearbeitet werden muss.
Vor Altenahr treffen wir auf die letzten Weinberge. Noch einmal grüßt uns das Zeichen des Rotweinwanderweges, die symbolische rote Traube.
Dann sehen wir Altenahr – steil gehen wir an der imposanten Kulisse der Ruinen der Burg Are hinunter zu unserem heutigen Etappenziel.
Eigentlich hätten wir noch Zeit, einen Blick zu werfen hinter die alten Mauern. Aber es reicht uns für den heutigen Tag.
Und außerdem werden wir ja heute von Sigrun und Eckhard erwartet, die morgen die Etappe bis Insul mitgehen wollen.
Das Handy macht es möglich: Wir treffen uns zum Abendessen und zum Bummel durch das Städtchen mit einer gemütlichen Weinprobe.