Beitrag vom 7 Juni 2010
Montag, 07. Juni 2010
Es geht endlich los!
Aufstehen 3.30 Uhr. Wir erreichen noch den Bus 4.58 Uhr und haben am Bahnhof ausreichend Zeit. Der Triebwagen nach Nürnberg kommt pünktlich an – alles gute Vorzeichen für eine erlebnisreiche Wanderung?
Wir hoffen es sehr.
Monika sagte neulich einen bemerkenswerten Satz, der etwas Programmatisches bezüglich des Fernwanderns hat. Nach diesem turbulenten Frühjahr mit Freude an restlichen Arbeiten in unserer Wohnung, fröhlichen Stunden mit den Enkeln, gemeinsamen Unternehmungen mit Freunden und schließlich einer sehr informativen Bildungsreise durch die Westtürkei meinte sie an einem Abend mit einem müden Blick: “Ich freue mich auf die Eifel-Tour. Endlich einmal Ruhe!”
Heute vor einem Jahr waren wir gerade auf der zweiten Etappe unserer Konstanz-Chemnitz-Strecke. Wir brauchten eine lange Zeit, um die vielen Eindrücke von damals zu verarbeiten und uns im Klaren zu werden, worin die Werte solch ausgiebigen Wanderns liegen. Die körperliche, konditionelle Seite ist eher ein – erwünschter – Nebeneffekt. Die Hauptsache ist das Finden zu sich selbst, zu innerer Ruhe. Wer es nicht selbst erlebt hat, mag meinen, das Laufen zu zweit sei langweilig – so dahin zu stapfen, Kilometer für Kilometer, bergauf, bergab, bei knalliger Sonne, bei strömendem Regen, mit der drückenden Last des Rucksacks auf dem Rücken. Von Zeit zu Zeit macht man sich gegenseitig auf etwas am Wegesrand aufmerksam oder fragt nach dem Befinden des Anderen. Und wenn man nicht gerade singt – was bei mir öfters, bei Monika nie vorkommt – dann schweigt man. Minuten lang, eine Viertelstunde lang. Man hängt seinen Gedanken nach.
Und das tut unendlich gut. Kein Radio, kein Fernsehen – nur Ruhe, wohltuende Ruhe.
Fernwandern eben!
——–
Wir nähern uns Hof. Wir sind hundemüde und schlafen ein bisschen. Doch dann wird es langsam spannend, ob wir in
Nürnberg den IC nach Koblenz erreichen. Es klappt, auch in Koblenz und dann in Andernach sind wir pünktlich.
Und dann geht es los: ein Blick auf die Uhr – 13:30h.
Starten der beiden GPS-Empfänger und langsam Tritt fassen. Der gut markierte Weg beschert uns einen steilen Anstieg durch den Wald, er wird immer steiler – dann haben wir oben einen herrlichen Blick auf den Rhein und zurück auf Andernach.
Über eine längere Strecke verläuft der Weg im schattigen Wald – sehr angenehm bei diesem doch recht warmen Wetter. (Die Wetterfrösche haben sich wieder einmal selbst übertroffen…)
Wir stellen auf der Karte fest, dass wir ein wenig abkürzen können, wenn wir statt des eine Schleife schlagenden Weges einen steilen Grund hoch gehen – und es klappt diesmal. (Im Vorjahr haben wir nicht nur einmal auf solche Weise die Tour “verschlimmbessert”.)
Es folgt eine längere Strecke auf guten Feldwegen.
Dann sind wir plötzlich in einer Baustelle – hier werden tatsächlich für das viel gescholtene deutsche Stromnetz neue Leitungen gezogen.
Ein Bulldozer-Führer, der den Weg wieder einebnet, schwenkt sogar sein Planierschild zur Seite, um uns freundlich winkend durch zu lassen.
Wir bewundern die Monteure, die in luftiger Höhe die Hochspannungsleitung montieren.
Vorbei an einem Mennoniten-Friedhof und einzeln stehenden Bauernhöfen gelangen wir auf die Höhe, wo wir deutlich vulkanische Ablagerungsschichten an den Wegrändern erkennen. Darauf sind wir gespannt – auf die vulkanische Vergangenheit der Eifel, die ja noch gar nicht so lange zurückliegen soll.
Unser Zielort Nickenich beeindruckt uns mit seiner schönen Lage, mit Sauberkeit und frischen Häusern. Hier scheint es sich leben zu lassen! Dass wir aber auch eine Straße finden, die im Gedenken an einen im KZ ermordeten Pfarrer der Stadt benannt ist, überrascht uns positiv.
Das Hotel empfängt uns – klein, freundlich, angenehm. Wir haben es nach der kurzen Nacht, der langen Bahnfahrt und der Auftakts Wanderung unendlich satt, schlafen nach dem Duschen sofort ein und genießen nach einer Stunde Tiefschlaf bei einem kleinen Bummel die Ruhe des Ortes und ein zünftiges Abendbrot.

