Beitrag vom 2 August 2010
Freitag, 18. Juni 2010
Zeitig gehen wir los, es ist gerade einmal 8.35 Uhr. Es soll heute sehr sonnig werden, erst gegen Abend soll es sich eintrüben.
Darum habe ich die heutige Etappe gegenüber dem offiziellen Verlauf des
Eifelsteigs auch etwas gekürzt, denn geplante 30 km mit viel Höhenmetern sind unter diesen Umständen zu viel. Jetzt am Morgen aber ist es noch relativ kühl.
In Gerolstein laufen wir schräg durch die Stadt, um nicht den aufwendigen Weg über die nördlich gelegenen Höhen – wie die Munterley – zu gehen.
Bei der Burgruine Gerolstein – der “Löwenburg” – sind wir wieder auf der richtigen Strecke.
Und heute erleben wir etwas, was wir bisher kaum kannten: zahlreiche Mitwanderer. Wir sind die Ältesten. Kein Wander also, dass uns die Anderen überholen.![]()
Bis zum Heiligenstein – mit Aussichtspunkt hinunter ins noch leicht dunstige Tal – folgen wir dem Eifelsteig. Danach kürzen wir wieder ab.
Grafenkreuz, Davitskreuz und Dietzenley lassen wir rechts liegen, laufen statt dessen auf einer schön zu gehender Forststraße. Ein Waldkindergarten hat seine Freude am Herumtollen unter den hohen Fichten.
Und dann schauen wir zur Königsfichte empor, fürwahr ein stattliches Exemplar. Fotografieren lässt sie sich schlecht, die beschreibende Tafel passt da besser ins Bild.
Noch ein Stück hin, kurz vor dem Jagdhaus Flemmingshöh, stößt der Eifelsteig wieder zu unserem Weg.
Und siehe da: wir werden wieder überholt, von den gleichen Leuten, die schon vorher an uns vorbei gezogen sind. Was mag in deren Köpfen jetzt vorgehen, die Erinnerung an das Märchen von Hase und Igel vielleicht?
Noch geht es ein langes Stück durch den Wald, dann sind wir draußen auf einem schönen Wiesenweg und sehen in der
Ferne den Nerother Kopf, mit 647 Metern Höhe der beherrschende Berg.
Um Neroth gehen wir herum, steigen hinab bis zum Bach und nehmen dann die 200 Höhenmeter Anstieg zum Nerother Kopf in Angriff. Hier staune ich, wie Monika diesen Abschnitt läuft – gleichmäßig und kaum viel langsamer als ein flaches Stück Wegs.
Dann stehen wir auf einer Waldwiese wie angenagelt. Das Kreuz zum Gedenken an zwei neun Jahre nach dem Krieg von einem übrig gebliebenen Zünder getötete Kinder reißt uns aus unseren fröhlichen Wander-Gedanken.
Die letzten Meter bis zum Gipfel werden noch einmal richtig steil. Dann sind wir oben an der Mühlsteinhöhle und den ersten Mauern der Burgruine. Wir schauen uns um, lesen die Schautafeln, die von der Erbauung der Burg Freudenkoppe
um 1340 durch König Johann von Böhmen erzählen und von ihrer Zerstörung. Unter den Bäumen weht ein kühler Wind – er lädt ein zur Rast an einer sehr schönen Tischgruppe. Monika hat ja immer ein Tischtuch dabei. So geht es fast ein wenig “vornehm” zu. Für das Foto setze ich mein blödestes Grinsen auf.
Wir essen und trinken – wie immer unterwegs – sehr wenig. Der Wind trocknet uns rasch den durchschwitzten Rücken.
Wir verlassen den Nerother Kopf und die Burgruine Freudenkoppe gut gelaunt. Die Rast hat uns gut getan, der Aufstieg zu diesem Fleckchen Erde hat sich gelohnt.
Über Wiesenwege auf dem Sattel unterhalb des Berges geht es hinüber zum Wald, in dem wir nun nur noch abwärts laufen.
Oberhalb von Neunkirchen halten wir uns rechts und gehen direkt nach Pützborn. Wir durchqueren den Ort und folgen dem Tal des Pützborner Baches hinunter nach Gemünden. Denn wir haben heute und morgen Quartier in diesem Dauner Vorort. Genau am Hotel “Berghof” kommen wir heraus – es ist gerade erst 15 Uhr![]()
Wir werden freundlich empfangen und machen es uns bequem.
Am späten Nachmittag laufen wir hinein nach Daun – 4 km hin und zurück. Und so kommen wir den für heute geplanten 30 km doch noch nahe.
Vor einer dicken Wolke sind wir dann geflüchtet, sie macht aber nicht ernst. Es war wohl mehr eine Drohgebärde des Himmels. Wir sollten vielleicht nicht gar so viel laufen an einem Tag…
Es folgt ein Abendessen im Hotel, ein vorzüglicher Salat mit Thunfisch, bestens zubereitet.
In der Nacht wache ich auf mit Schmerzen im linken Knie. Hatte die Wolke doch Recht? Ein altes Hausrezept kommt mir in den Sinn: “Wärme hilft immer!” Also suche ich mir aus der Seitentasche des Rucksacks – “Gleich gewusst, wo…” – die elastische Kniebandage heraus und wickele sie ums Knie.
Der andere Morgen ist irgendwann da. Das Knie hat richtig geschwitzt unter der Bandage. Von Schmerzen keine Spur…